Freiburg als Vorbild: Vier Taubenhäuser statt teurer Vergrämung
Aktuell gibt es in Freiburg vier betreute Taubenhäuser:
Ein Taubenschlag mit dem Namen Buggi befindet sich in einem Container auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses im Stadtteil Weingarten, der zweite und kleinste im Kaufland, der dritte befindet sich beim Hauptbahnhof Freiburg in einem Container und der vierte ist im Innern der Schwabentorgarage untergebracht. Letzterer wurde speziell eingerichtet, um all jene Tauben aufzunehmen, die zuvor in und rund um die Garage genistet haben. Die Lösung zeigt eindrücklich, wie sinnvoll und nachhaltig betreute Taubenschläge sein können – auch wirtschaftlich:
Die ursprünglich geplanten Vergrämungsmassnahmen in der Garage hätten rund 80’000 Euro gekostet.
Stattdessen wurde für einen kleinen Bruchteil der Summe ein funktionaler und tierschutzgerechter Taubenschlag errichtet.
Die Wirkung der betreuten Taubenschläge in Freiburg lässt sich nicht nur sehen – sie lässt sich auch messen: Im Jahr 2024 wurden im Taubenschlag Buggi insgesamt 1’690 Eier im kleinen Kaufland Taubenschlag 384 Eier und im Taubenschlag Schwabentor 1’599 Eier fachgerecht gegen Attrappen ausgetauscht.
Dieser gezielte Eiertausch ist ein zentraler Bestandteil des tierschutzgerechten Bestandsmanagements und hilft nachweislich, die Taubenpopulation nachhaltig und ohne Leid zu regulieren – ohne Vergrämung, ohne Gift und ohne Gewalt.
Derzeit wird in Freiburg der fünfte Taubenschlag errichtet.
Tipp: Schaut euch die Bilder dieser gelungenen Freiburger Taubenschläge an – sie zeigen, wie schön und effektiv solche Anlagen mit wenig Aufwand und geringen finanziellen Mitteln gestaltet werden können!












Und so sah es in Freiburg aus, bevor die betreuten Taubenschläge eingerichtet wurden:
Die Tauben nisteten unkontrolliert auf Dächern, in Tiefgaragen, unter Brücken und auf Fensterbänken. Die Verschmutzung durch Kot war massiv, Beschwerden aus der Bevölkerung nahmen zu, und erste Vergrämungsmassnahmen wurden diskutiert – teure und oft tierschutzwidrige Lösungen.
Erst mit der Einführung der betreuten Taubenschläge wurde eine nachhaltige, tierfreundliche und städtisch akzeptierte Lösung geschaffen. Heute profitieren nicht nur die Tiere, sondern auch das Stadtbild und die Anwohnerinnen und Anwohner.









Stadt Luzern
Bern und Freiburg im Breisgau zeigen, dass es funktioniert
Basel-Stadt muss das Rad nicht neu erfinden. Zahlreiche Taubenmanagements in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und sogar Italien beweisen, dass es funktioniert, wenn man es richtig macht. Mit Bern und Freiburg im Breisgau gibt es in der Nähe bereits grössere Beispiele für funktionierendes Taubenmanagement. Genau dieses Prinzip möchten wir auch in Basel-Stadt ermöglichen.
Ein modernes Taubenmanagement braucht Standorte an den Hotspots, Betreuung, Fütterung, Reinigung, Brutkontrolle und Zusammenarbeit zwischen Kanton, Verein und Freiwilligen.
Tauben in Weimar
Rheinfelden – Weniger Tauben in der Stadt
10.08.2023Brennpunkt
«Sie bekommen optimales Futter und werden regelmässig geimpft sowie entwurmt», schildert Claudia Rüfenacht. Auf dem Bild zeigt sie eine wenige Wochen alte Taube. Foto: Valentin Zumsteg
Der Bestand hat abgenommen Seit 2020 gibt es in Rheinfelden einen städtischen Taubenschlag, der von Taubenwartin Claudia Rüfenacht betreut wird. Die Zahl der Tiere und der Beschwerden ist seither deutlich zurückgegangen. Das hat aber auch mit einer Krankheit zu tun.
Der Rheinfelder Stadtoberförster Kurt Steck ist zufrieden: «Der städtische Taubenschlag bewährt sich. Wir haben heute deutlich weniger Probleme mit den Tauben.» 2020 hat die Stadt diesen offiziellen Taubenschlag im Estrich des Hugenfeldschulhauses einrichten lassen, da zuvor die zunehmende Verkotung von Gebäuden, Vorplätzen und Terrassen zu einer Häufung von Reklamationen aus der Bevölkerung führte. Als Taubenwartin konnte Claudia Rüfenacht vom Ornithologischen Verein Rheinfelden gewonnen werden (die NFZ berichtete). «Sie macht ihre Arbeit mit Herzblut und ist ein Glücksfall für uns», erklärt Steck.
Weniger und gesündere Tiere
Mit dem Taubenschlag verfolgt die Stadt zwei Ziele: Zum einen soll die Population der Vögel reguliert werden. Wenn die Tauben am Brüten sind, tauscht Claudia Rüfenacht jeweils eines der zwei Eier durch ein Kunststoff-Exemplar aus. Zweitens soll auch der Gesundheitszustand der Tiere gefördert werden. «Sie bekommen optimales Futter und werden regelmässig geimpft sowie entwurmt. Ich prüfe auch das Gefieder und entferne Ungeziefer und Parasiten», schildert Claudia Rüfenacht.
Gemäss Kurt Steck geht das Konzept auf, bei der Stadt gehen deutlich weniger Beschwerden wegen der Tauben ein. Die Zahl der Tiere ist ebenfalls deutlich zurückgegangen, erklären Steck und Rüfenacht übereinstimmend. Es gibt aber einen Wermutstropfen, wie der Stadtoberförster sagt. Denn einer der Gründe, warum die Zahl der Tiere abnahm, ist eine Taubenkrankheit, die 2021 in Rheinfelden grassierte. «Schätzungsweise 60 Prozent des Bestandes waren damals von der Paramyxovirose betroffen. So etwas gibt es in der ganzen Schweiz immer w ieder», s ch i lder t Rü fen a cht . V iele Tiere starben, aber nach ein paar Monaten war die Krankheit, die auch als Taubenpest bezeichnet wird, vorüber.
Krähe richtete Blutbad an
Einen zweiten kleineren Rückschlag gab es diesen Frühling, als eine Krähe in den Taubenschlag eindrang und einen grossen Teil der frisch geschlüpften Jungtauben tötete. «Das war ein Massaker», beschreibt Rüfenacht das Bild, das sich ihr bot. Sie hat sich darauf hin Rat bei anderen Taubenkennern geholt und so ein Mittel gefunden, das die Krähen fernhält. Ein kleiner Draht, der quer über das Einf lugloch gespannt ist, sorgt jetzt dafür, dass die ungebetenen Gäste draussen bleiben. «Die Tauben kommen noch rein, die Krähen bleiben fern. Sie wittern dort eine Falle», sagt Rüfenacht. Seither gebe es keine Probleme mehr.
«Wir wollen den tieferen Bestand nutzen und ihn auf diesem Niveau halten», sagt Kurt Steck zur aktuellen Situation. Dazu sei es weiterhin wichtig, dass die Bevölkerung die Tiere nicht füttere. In Badisch Rheinfelden, auf deutscher Seite, wird seit kurzem ein Fütterungsverbot durch den Ordnungsdienst kontrolliert.